Teppichvlies aus Polypropylen: der richtige Ausschreibungstext


Historisch gesehen, gab es in Deutschland in den letzten Jahren immer nur ein Teppichvliesprodukt, welches wie folgt in Leistungsverzeichnissen zu finden war bzw. teilweise auch noch so ausgeschrieben wird:

 

Teppichvliesbelag aus  Polypropylen,  nadelgelocht,  mit  einem  Fasergewicht von  1150g  bzw.  1300g  je  Quadratmeter,  UV-beständig,  Harzimprägnierung  auf der Unterlage, nicht entflammbar, Wasserdurchlässigkeit von 5200mm/h. Quarzsandfüllung. Für Basketball zusätzlich:  1 Lage Vliesbelag ca. 3mm dick unterhalb des Teppichvlies

 

Den Ausschreibungstext findet man ohne jegliche Abwandlungen in Leistungsverzeichnissen. Lediglich zwei verschiedene Fallschutz-Unterbauten aus EPP oder Gummigranulaten finden Ergänzung.

 

Im Laufe der Jahre und mit wachsender Bedeutung des Teppichvliesbelags auf Spiel- und Sportflächen hat die Industrie ihre Entwicklungsarbeit intensiviert. Wir empfehlen daher, die Ausschreibungstexte entsprechend anzupassen und herkömmliche Einbausysteme zu überdenken.

 

Alleine die allgemeine Aussage zum Fasergewicht zeigt, dass es hier keine individuelle Abstimmung zum jeweiligen Projekteinsatz bzw. zu den Bedürfnissen des Bauherrn gibt.

 

Die "Lage Vliesbelag von ca. 3mm" für den Einsatz von Basketball impliziert eine Möglichkeit, das System im Bereich der Ballreflexion zu optimieren.

Dabei haben aktuelle Tests durch das Sportlabor Lehmacher und Schneider gezeigt, dass eine zusätzliche Lage Vliesbelag vom empfohlenen Hersteller sogar einen negativen Einfluss auf die Ballreflexion hat. Das System erreicht nicht annährend die Mindestwerte der FIBA und ist somit für das Basketball-Spiel ungeeignet.

 

Um eine ausreichende Ballreflexion zu erreichen, muss ein Teppichvlies mit einer sehr hohen Faserdichte ausgeschrieben werden. Dann wird auch die gewünschte Ballreflexion nach FIBA erreicht.

Neben der Ballreflexion spielt aber auch die Struktur der Oberfläche eine wichtige Rolle. Sie trägt maßgeblich zu weiteren Eigenschaften des Systems wie dem Ballsprung- und Ballrollverhalten bei. Je gleichmäßiger diese aufgebaut ist, desto genauer ist der Ballabsprungwinkel vorhersehbar. Für Ballsportarten, wie zum Beispiel Tennis, eine entscheidene Auswahlkomponente.

Mit der Struktur der Oberfläche kann die Teppichvliesfläche also individuell für den Einsatz abgestimmt werden. Im Böschungsbereich eines Spielplatzes sollte zum Beispiel eine Oberfläche zum Einsatz kommen, die dafür sorgt, dass sich möglichst wenig Quarzsand aus dem Material spielen kann und die Kinder beim spielen auch auf Hügeln stehts guten Halt haben. Exemplarisch zeigen wir hier drei verschiedene Teppichvlies-Oberflächen.  

 

Gerade wenn ein Teppichvliesbelag im Sportbereich eingesetzt werden soll, bedarf es einer Feinabstimmung des Gesamtsystems. Die Auswahl der richtigen Teppichvlies-Oberfläche ist in erster Linie abhängig von dem Unterbau. Es muss natürlich erreicht werden, dass die schnelle Entwässerung der Fläche gesichert ist. Sollte der Unterbau dafür nicht geschaffen sein, können zum Beispiel Elastikschichten eingesetzt werden, die mit einem Wasserspeicher dafür sorgen, dass es zumindest auf der Teppichvlies-Oberfläche nicht zu Pfützenbildung kommt. Wenn der Unterbau auch langfristig keine Entwässerung gewährleisten kann und die Fläche kein Gefälle aufweist, sollte eine Elastikschicht mit abführenden Entwässerungskanälen gewählt werden. Unsere Empfehlung wäre hier zum Beispiel die ProPlaySportD.

Auf dem unteren Foto ist zu sehen, wie eine Teppichvliesfläche aussieht, bei der der Bauherr im wahrsten Sinne des Wortes im Regen stehen gelassen wurde.  Es ist kein System für eine ausreichende Entwässerung gewählt worden,  obwohl bereits vor der Planung bekannt war, dass es auf diesem Bolzplatz erhebliche Probleme gibt.

 

Die Angabe „UV-Beständigkeit“ im Leistungsverzeichnis sagt leider nichts über die tatsächliche Widerstandskraft gegen Sonnenlicht und andere UV-Quellen aus. Schäden durch UV-Strahlen zeigen sich dadurch, dass die Fasern des Teppichvlieses ausbleichen, rissig oder spröde werden.

Die Folgen eines Teppichvlieses mit mangelhaftem UV-Stabilisator sind erst nach ca. 2 Jahren Sonneneinstrahlung feststellbar. Dies zeigt sich dann durch verstärkten Faserbruch.

Wir empfehlen daher ausdrücklich, die UV-Beständigkeit bei Ausschreibungen mit einer 5-jährigen Garantie zu koppeln. Ansonsten kann für den Bauherrn nicht sichergestellt werden, dass auch tatsächlich ein hochwertiges Produkt zum Einsatz kommt.

Wird diesem Thema nicht genug Beachtung geschenkt, dann kann eine Teppichvliesfläche nach kurzer Zeit bereits umfangreiche Schäden aufweisen. Unten eine Beispielfläche, die von einem konkurierenden Lieferanten mit mangelhaftem UV-Schutz produziert worden ist.

 

Um sicher zu stellen, dass auch das gewünschte Teppichvlies eingebaut wird, empfehlen wir eine Angabe zur Gesamthöhe sowie der Pollhöhe im Ausschreibungstext. Uns ist bekannt, dass einige Lieferanten ihre Hersteller oft wechseln und eine gleichbleibende Qualität damit auch nicht immer sichergestellt werden kann. Die Höhenangabe ist daher eine Variable mit der ein Wunschprodukt recht eindeutig eingegrenzt werden kann. Zumindest ergänzend mit der Angabe des zugehörigen Fasergewichtes.

 

Fazit: Mit der richtigen Produktauswahl und dem passenden Ausschreibungstext können Sie sicherstellen, dass ein hochwertiges Teppichvlies-System eingebaut wird, welches zu Ihren individuellen Projektanforderungen passt. Wir helfen Ihnen, das beste Teppichvlies-System und den passenden Baustein für Ihr Leistungsverzeichnis festzulegen. Sprechen Sie uns dazu gerne an!